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Haischutz

Haischutz: Warum Haie für gesunde Meere unverzichtbar sind

Blauhai mit 2 Langleinenhaken im Maul, © Ron Watkins/Ocean Image Bank

Haie sind ein Erfolgsmodell der Evolution. Seit mehr als 450 Millionen Jahren spielen sie ihre entscheidende Rolle als Gesundheitspolizei und Regulatoren der Ozeane. Man findet sie in allen Weltmeeren, in der unbekannten Tiefsee und sogar in Flüssen. Es gibt mehr als 500 Arten: von Plankton fressenden Vierzehn-Meter-Riesen wie dem größten aller Fische, dem friedlichen Walhai, bis hin zu Methusalems, wie dem rätselhaften Grönlandhai, der über 500 Jahre alt werden kann.

Sie alle tragen auf sehr unterschiedliche und in weiten Teilen noch unverstandene Art und Weise zur Gesundheit der Meere bei. Viele Arten agieren als Spitzen-Prädatoren ganz oben in den marinen Nahrungsnetzen wie der Weiße Hai oder Makohaie. Andere sind eher in der Mitte der Nahrungsnetze zu verorten, sind als Mesoprädatoren Jäger und zugleich Gejagte.

Gnadenlose Ausbeutung

Doch die faszinierenden Knorpelfische können ihre Aufgaben für den Erhalt von Meeresökosystemen wie Korallenriffen oder Seegraswiesen kaum noch erfüllen. Es gibt immer weniger von ihnen. Jedes Jahr sterben zwischen 63 und 273 Millionen Haie durch die Fischerei. Genau weiß man das nicht, denn selbst legale Fischereien liefern ungenaue Fangdaten.

In den zurückliegenden sechs Jahrzehnten wurden besonders die Haibestände der Hochsee so intensiv befischt, dass sie zwischen 1970 bis 2018 um mehr als 70 Prozent zurückgegangen sind.

Im Indischen Ozean sollen es sogar 84 Prozent sein. Wo einst zehn dieser imposanten Raubfische patrouillierten, sind es heutzutage nicht einmal mehr drei.

Funktional ausgestorben

Ein knappes Drittel aller Haiarten ist mittlerweile vom Aussterben bedroht. Mindestens. Denn für viele Arten existieren keine belastbaren Daten für eine realistische Bewertung ihrer Überlebenssituation.

Eines der bekanntesten Beispiele ist der ikonische Weißspitzen-Hochseehai. Er gilt laut der Roten Liste der Weltnaturschutzorganisation (IUCN) als vom Aussterben bedroht. Wissenschaftler gehen bei einer derartigen Einstufung von einer 50-prozentigen Aussterbewahrscheinlichkeit innerhalb der nächsten zehn Jahren aus.

Ihrer Aufgabe als Wächter der Ozeane können Weißspitzen-Hochseehaie jedenfalls nicht mehr erfüllen. Sie sind funktional ausgestorben. Das heißt, es gibt zwar noch genügend Individuen, damit die Art für einige Jahre überleben kann. Gleichzeitig sind es aber zu wenige, als dass sie ihre ökologische Funktion noch vollständig erfüllen könnte.

Haie in der evolutionären Sackgasse

Im Gegensatz zu Knochenfischen vermehren sich Knorpelfische in Zeitlupe. Wie die bis zu 4 m großen Makohaie. Erst mit etwa 20 Jahren erreichen die Weibchen ihre Geschlechtsreife. Ihre Tragzeit dauert 18 Monate. Doch nur alle 2 bis 3 Jahre kommen dann bis zu maximal 25 lebend geborene Jungtiere zur Welt.

Zum Vergleich: Ein ähnlich großer, ausgewachsener weiblicher Roter Thunfisch produziert bis zu zehn Millionen Eier. Jedes Jahr.

Knorpelfischbestände brechen unter intensiver Befischung schnell zusammen. Denn keine Haiart ist biologisch darauf ausgerichtet, derartige Verluste kompensieren zu können. In unserer modernen Welt befinden sich diese uralten, über Hunderte Millionen Jahre erfolgreichen Fische in einer fatalen evolutionären Sackgasse.

EU-Fangflotten auf Haifang in nahezu allen Ozeanen

Weißspitzen-Hochseehai, © Renata Romeo/Ocean Image Bank

Auch Europa ist ganz vorne mit dabei, wenn es um die Ausbeutung von Haien geht. Spanien, Portugal und Frankreich gehören zu den 15 größten Haifischfangnationen. Ihre Fangflotten sind in fast allen Ozeanen unterwegs. Und diese Übersee-Fischerei wird in vielen Fällen auch noch mit EU-Steuergeldern subventioniert!

Shark Finning: barbarische Fischerei

Oftmals nutzen Fischer beim sogenannten Shark Finning (Haiflossenfischerei) auch nur die wertvollen Flossen der Tiere. Nach dem Abschneiden werfen sie den verstümmelten und hilflosen Hai zurück ins Meer, wo er langsam stirbt. Es ist eine Orgie der Vernichtung von Leben.

Und das nur, weil Haiflossen in Asien als Delikatesse und Statussymbol gelten. Eine Schale Haifischflossensuppe von bestimmten Arten kann dort bis zu 400 Euro kosten. Haiflossen werden in mehr als 125 Ländern verkauft, doch größter Absatzmarkt ist Hongkong.

Die EU ist Drehscheibe für den internationalen Flossenhandel von Europa nach Asien. In den USA, Großbritannien, Österreich und anderen Ländern ist der Handel mit den Flossen von Knorpelfischen aus Artenschutzgründen bereits verboten.

Beifangopfer

Haie sterben auch dann, wenn die Fangflotten es gar nicht auf sie abgesehen haben. Als weitgehend ungenutzter Beifang beispielsweise in der Langleinenfischerei auf Schwertfisch, Marlin oder Thunfische. Oder beim Einsatz sogenannter Ringwadennetze in Kombination mit künstlichen, freischwimmenden Fischsammlern (FADs) beim Thunfischfang.

Experten schätzen, dass durch den Einsatz dieser Fangmethode allein im Indischen Ozean mindestens 200.000 Seidenhaie (hauptsächlich Jungtiere) sinnlos als Beifang sterben. Jedes Jahr.

Mit dieser Methode gefischter Thunfisch darf sogar das MSC-Siegel für nachhaltigen Fischfang tragen.

Ohne Haie geraten Ökosysteme aus dem Gleichgewicht

Haie kontrollieren als Regulatoren die Bestände vieler anderer Meeresbewohner, wie Fische, Meeressäuger, Meeresschildkröten bis hin zum winzig kleinen Zooplankton. Sie erhalten die Gesundheit der Bestände, fördern deren genetische Vielfalt und stabilisieren das ökologische Gleichgewicht.

Der dramatische Rückgang der Haibestände ist, da sind sich Wissenschaftler einig, eines der drängendsten Probleme für den Erhalt der Artenvielfalt in den Ozeanen und für das Funktionieren von Schlüssel-Ökosystemen wie tropischen Korallenriffen oder Seegraswiesen.

Ohne gesunde Haibestände sind die meisten tropischen Korallenriffe dem Untergang geweiht. Die Folgen für die Artenvielfalt und die betroffenen Küstenstaaten werden verheerend sein. Riffe und Haie sind aufeinander angewiesen, um zu existieren.

Ohne Haie verlieren Millionen Menschen einen Teil ihrer Nahrungsgrundlage

Weißer Hai, © Jayne Jenkins/Ocean Image Bank

Ohne Korallenriffe verlieren unzählige andere Arten ihren Lebensraum und ihre Kinderstube. Darunter Fischarten, die eine wichtige Nahrungsgrundlage für viele Millionen Menschen im Globalen Süden sind. Und die langfristige Verfügbarkeit von Fisch und anderen Meeresressourcen wäre in Küstengemeinden, die stark vom Fischfang abhängig sind, sogar massiv beeinträchtigt.

Ohne Haie keine Artenvielfalt im Meer

Die ökologischen Veränderungen, die das Verschwinden der Haie in den Ozeanen verursachen, wirken sich auch direkt auf den Tourismus aus. Das gilt ganz besonders für Regionen, die (noch) für ihre vielfältige Meeresfauna bekannt sind.

Außerdem sind widerstandsfähige marine Ökosysteme und ihre biologische Artenvielfalt wichtige Kohlenstoffsenken und unverzichtbar für die Bekämpfung des Klimawandels.

Missverstanden, zu Unrecht verteufelt

Geht es um Haie, richtet sich der Fokus meist auf die verschwindend wenigen, aber dennoch in jedem einzelnen Fall tragischen Hai-Unfälle, bei denen Menschen getötet werden.

Das Bewusstsein für die Bedeutung von Haien für das Leben in den Meeren und unser aller Überleben ist in der Öffentlichkeit und bei politischen Entscheidungsträgern wenig bis gering ausgeprägt. Forschende fordern daher ein Umdenken der Menschen – weg vom Hai als Bestie oder endlos verfügbarer Nahrungsquelle hin zum überlebenswichtigen Gesundheitspolizisten der Meere.

Der Schrecken, den Steven Spielberg mit seinem Film „Jaws“ vor über 50 Jahren verbreitete, ist verflogen. Es ist einsam geworden um den Weißen Hai.

Die Deutsche Stiftung Meeresschutz setzt sich auf verschiedenen Ebenen für den dringend notwendigen Schutz von Haien ein:

  • Einrichtung lokaler Schutzgebiete
  • Förderung von Programmen für nachhaltigen Fischfang
  • Überzeugungsarbeit in Fischereikommissionen und bei der EU für besseren Haischutz und die Einführung nachhaltiger Fangmethoden
  • Aufklärung und Information über Haie und ihre entscheidende Rolle als Schlüsselarten der Meere

Um Haien langfristig eine Perspektive zu geben, benötigt die Deutsche Stiftung Meeresschutz jetzt Ihre Hilfe.

Jeder kann dazu beitragen, Haie zu schützen und den Erhalt kritischer mariner Ökosysteme zu sichern.

 

Zusammenfassung

  • Haie sind die Gesundheitspolizei der Ozeane.
  • Haie sind entscheidend für gesunde Meere. Jedoch sind ihre Bestände in 50 Jahren um 70 Prozent und mehr gesunken.
  • Die Überfischung durch industrielle Haifischerei führt zu einer funktionalen Ausrottung vieler Arten.
  • Die gezielte Haiflossenfischerei gehört zu den grausamsten Fischfangmethoden.
  • Haischutz ist wichtig für den Erhalt mariner Ökosysteme, insbesondere für Korallenriffe und Seegraswiesen.
  • Die Deutsche Stiftung Meeresschutz fördert nachhaltige Fischerei, die Einführung von Schutzmaßnahmen für Haie und nachhaltiges Fischereimanagement.


Impressum:

Deutsche Stiftung Meeresschutz (DSM)
unter treuhänderischer Verwaltung der DS Deutsche Stiftungsagentur GmbH
Brandgasse 4
41460 Neuss

T: +49 89 71668188
@: info@stiftung-meeresschutz.org

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